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Mein AgriViva Einsatz war auf jeden Fall einzigartig, und wird mir für den Rest meines Lebens in Erinnerung bleiben.

Vivienne (20) war 3 Wochen bei Familie Hobi

Mein Agriviva Einsatz war auf jeden Fall einzigartig, und wird mir für den Rest meines Lebens in Erinnerung bleiben – eine core memory, wie wir heute sagen 🙂 Anfangs war die körperliche Arbeit auf dem Hof sehr fordernd, und abends fiel ich um 21 Uhr todmüde ins Bett.

Jeden Morgen stand an erster Stelle das Versorgen der Tiere auf dem Plan – in meinem Fall 17 hungrige Pferde. Die 60 Rinder meiner Gastfamilie waren während meinem Landdienst auf der Sommeralp. Meine Arbeiten waren sehr vielseitig. Neben dem Versorgen der Pferde half ich meiner Gastfamilie überall, wo es einer helfenden Hand bedurfte: ich kümmerte mich um die Pferde, unterhielt die Weiden, lernte eine enorme Vielfalt an Unkraut kennen, mit welchem ich kämpfte, half im Haushalt aus und verrichtete allgemeine Arbeiten, die zur Unterhaltung des Hofes dienten.

Eines der Highlights waren die Feierabend-Ausritte mit meiner Gastmutter. Ich durfte eines ihrer wunderschönen Pferde reiten und die Landschaft im Sarganserland erkunden. Wenn ich daran zurückdenke, kommt mir immer wieder die schönen Sonnenuntergänge hinter den Bergen in Sinn und die wehende Mähne des Pferdes unter mir. Ich fühlte mich wie in einem kitschigen Pferdefilm – der meine Realität war, für ein paar Wochen zumindest.

Nach nur wenigen Tagen hatte sich mein Körper an die neuen Umstände gewöhnt: meine Blattern vom Misten wurden zu robuster Hornhaut, meine Armmuskeln vervielfachten sich und Arbeiten, die mich anfangs überforderten wurden mit der Routine immer einfacher. Ich bemerkte, wie ich mich viel intensiver verbunden fühlte zu der Natur und vor allem zum Wetter, und wie stark ich Feierabende zu schätzen begann.

Der Kontrast zu meinem Alltag als Schülerin war enorm – in meinem Alltag verbringe ich sehr viel Zeit in der Schule am Schreibtisch, vor oder nach der Schule treibe ich Sport, und am Wochenende arbeite in einer Bar oder einer Bäckerei um mir etwas dazu zuverdienen oder treffe meine Freund*innen. Währenddessen erlebte ich auf dem Hof wie sich meine Perspektive um 180 Grad veränderte: an erster Stelle standen die Tiere, und danach kam alles andere.

Doch genau dieser Kontrast war es, der meinen Aufenthalt auf dem Hof so wertvoll machte, und weshalb ich jedem einen Landdienst weiterempfehlen würde – vor allem einem «Stadtkind» wie ich es bin. Ein Landdienst ist viel mehr, als einer Familie in ihrem Betrieb zu helfen, viel draussen zu sein und körperlich zu arbeiten. Während dieser Zeit hatte ich sehr viel Zeit zum Nachdenken, und habe viel über mich und mein Leben reflektiert. Man lernt sich anzupassen an eine neue Familie, und verlässt seine Komfortzone.

Man lernt Dinge zu schätzen, die man zu Hause für selbstverständlich empfindet – und hat vielleicht ein bisschen Heimweh. Man lernt eine neue Seite von sich selbst kennen. Und was am Ende nach 3 Wochen blieb, ist viel neues Wissen, liebevolle Bekanntschaften, riesiger Respekt für alle in der Landwirtschaft tätigen Menschen und eine unbezahlbare Lebenserfahrung!