Als Überraschung am Ende meines Aufenthaltes durfte ich den selbst produzierten Senf und Sirup sogar nachhause nehmen zum Probieren.
Alessia (18), war 2 Wochen bei Familie Hälg

Ich habe auf Agriviva nach einer Bauernfamilie gesucht. Dies fiel mir anfangs noch relativ schwer, da die Auswahl sehr gross war und ich fand, dass viele Familien sympathisch wirkten. Doch mit der Zeit habe ich versucht mir Kriterien zu überlegen, die die Familie erfüllen soll, bei der ich mein Praktikum absolvieren werde. Ein solches Kriterium war zum Beispiel, dass die Familie min. 1 Kind haben soll. Das war mir wichtig, weil ich Kinder mag und auch gut mit ihnen auskomme.
Recht schnell bin ich dann auch fündig geworden. Ich habe mich für eine vierköpfige Familie in Leggenwil, St.Gallen entschieden. Und jetzt im Nachinhein betrachtet, war das auch eine gute Entscheidung. Die Familie besteht aus der Gastmutter, dem Gastvater und zwei Jungs. Die beiden Kinder sind 8 und 10 Jahre alt.
Mein Aufenthalt bei der Familie war sehr angenehm. Sie haben mich sehr herzlich aufgenommen und ich habe mich wie ein fünftes Familienmitglied gefühlt. Vorallem habe ich mich aber darüber gefreut, dass auch die Kinder von Anfang an sehr offen gegenüber mir waren und sich auf meine Ankunft gefreut haben. Das hat mir direkt ein gutes Gefühl gegeben. Ich habe mich auch besonders über meine liebevoll eingerichtete Unterkunft gefreut. Diese war im Dachboden, weshalb ich relativ viel Platz für mich hatte. Das Bett war bequem und das Zimmer sauber. Das Einzige, was mich etwas gestört hatte, war dass sich das Bad im untersten Stock befand und ich somit nicht mitten in der Nacht auf die Toilette konnte, weil ich sonst die anderen gestört hätte.
Mein Alltag sah so aus, dass ich am Morgen um 07:00 Uhr das Frühstück bereit machte und danach den Tisch putzte. Anschliessend half ich im Haushalt, z.B beim Betten beziehen oder Wäsche machen. Danach musste ich weitere Kleinigkeiten erledigen, die grad anstanden. Das waren solche Tätigkeiten, wie z.B den Keller aufräumen oder die Senfgläser zu ettikettieren. Am Mittag habe ich dann alleine gekocht. Anfangs war das eine Herausforderung für mich, da ich mich in ihrer Küche noch nicht auskannte und recht selbständig sein musste. Doch mit der Zeit, wusste ich wo was steht, und konnte alleine, nur mit Hilfe eines Rezeptes kochen. Nach dem Abwasch hatte ich von ca. 13:00 Uhr bis 15:00 Uhr Zimmerstunde, in welcher ich mich entspannen konnte. Nachmittags machten wir stets was anderes. Manchmal habe ich mit den Kindern im Garten gespielt, an einem anderen Tag habe ich die Hasen ausgemistet und in den Freilauf gelassen und einmal durfte ich sogar die Produkte in ihrem „Dorflädeli“ neu einordnen.
Mein Highlight waren aber die zwei Tage, an denen wir für das „Dorflädeli“ produziert haben. Montags haben wir Senf gemacht und am Mittwoch Sirup. Obwohl das Produzieren den ganzen Tag dauerte, und das Aufräumen danach sehr anstrengend war, hatte ich vorher noch nie Senf oder Sirup alleine gemacht, weshalb das eine tolle neue Erfahrung war. Als Überraschung am Ende meines Aufenthaltes durfte ich den selbst produzierten Senf und Sirup sogar nachhause nehmen zum Probieren.
Ein weiteres Highlight war die Geburt eines Kalbes, welches knapp vor meiner Abfahrt zur Welt kam. Zu der Bilanzierung lässt sich sagen, dass ich zwar manchmal am Abend schon recht erschöpft war, weil ich den ganzen Tag viel geholfen habe, ich aber auch viel neues Lernen durfte. Ich hatte bis auf eine Situation auch nie das Gefühl ausgenutzt zu werden oder unfair behandelt worden zu sein. In dieser einen Situation in der ich mich etwas ausgenutzt gefühlt habe, ging es darum, dass ich anfänglich nur den ersten Stock staubsaugen sollte, doch dann schlussendlich doch das ganze Haus gesaugt habe. Meine Gastmutter fand, wenn ich ja grad dran bin, könne ich doch gleich alles putzen. Das war aber auch die einzige Situation, in welcher ich mir etwas unfair behandelt vorkam. Ansonsten habe ich das Gefühl, dass das Verhältnis von Aufwand und Ertrag im Gleichgewicht waren.
Meine Schlussbilanz ist, dass ich sehr froh bin das Sozialpraktikum absolviert zu haben. Ich habe das Gefühl, dass ich in dieser Situation als Person gewachsen bin und viele neue Erfahrungen mit nachhause nehmen durfte. Vor allem war ich, als ich wieder zuhause war, sehr stolz auf mich, dass ich mich getraut habe, offen in eine neue Situation zu gehen und mein Bestes zu geben. Auch hat mich stolz gemacht, dass ich es durchgezogen habe, etwas abzuschliessen, obwohl es nicht immer einfach war. Manchmal in der Zimmerstunde war ich nämlich schon recht erschöpft von den Arbeiten am Morgen und deshalb auch etwas lustlos und unmotiviert, wenn ich an den bevorstehenden Nachmittag dachte. Doch ich hatte mir fest vorgenommen, mir in dieser Situation meine Stimmung nicht anmerken zu lassen. Also habe ich meine, zum Teil negativen Gedanken, in meinem Zimmer gelassen und bin meiner Gastfamilie mit einem Lächeln begegnet. Und schlussendlich hat sich das auch ausgezahlt, denn bei der Evaluation am letzten Tag hat meine Gastfamilie genau das an mir gelobt, nämlich dass sie fanden, dass ich immer motiviert war. Das hat mich sehr stolz gemacht. Ich denke deshalb, dass ich durch das Praktikum auch etwas resilienter geworden bin.
Ich würde es jedem empfehlen, ein Sozialpraktikum in meiner Gastfamilie zu machen, denn obwohl man sich manchmal überwinden muss, kann man nur davon profitieren.